Archiv Ausgabe 613:
Was ich noch sagen wollte...

... in der letzten Woche war mächtig viel los. Nicht nur lokal, sondern übergreifend im ganzen Land. Der herbe Frost verschwand so schnell wie er gekommen war. Auch unser Staatspräsident verschwand, aber nicht ganz so schnell. Inzwischen fand sich ein neuer, und der stammt aus Rostock. Das Eis auf der Warnow ist längst wieder gebrochen, und die Fischer können zu ihren Fischzügen in See stechen. Leider können sie nicht mehr viel fischen, die Schonzeit einiger Fischarten beginnt. Ich finde das Fernsehen übertrieb in diesen Tagen mit den Karnevalssendungen. Der sinnige Unsinn, den manche Büttenredner redeten, wiederholte sich fast täglich. Das Tatü – Tata nervte so sehr, dass ich beinahe gewillt war, mich in die Hände eines Psychiaters zu begeben. Die Krimis und Thriller kann man auch nicht mehr alle ansehen, die Kriminalisten und die Morde werden sich immer ähnlicher, außerdem irritierten die Wiederholungen. Ich fragte mich so manchen Abend, habe ich den Mord schon mal gesehen, oder nicht? Aber auch die Tierfilme aus aller Welt bringen kaum noch etwas Neues in die Bildschirmszene.
Nun könnte man ja einfach die Flimmerkiste abschalten, aber was soll man dann machen? Gut, ich kann mich an den PC setzen und Kolumnen oder vielleicht meine BIOgraphie schreiben. Aber mit BIO ist das so eine Sache. Ich lese in den Supermärkten nur noch BIO. Bald glaube ich, wir sind ein Land von BIOlogen geworden. Ist natürlich Nonsens. Aber den BIO-Streichkäse, den ich kürzlich kaufte, der lebte! Tatsächlich. Er kroch bei Zimmertemperatur langsam aus der Verpackung. Das kann wirklich nur BIO sein! Er schmeckte dabei vorzüglich! Was lebt kann nicht schlecht sein! Leider war der Geruch so infam, dass meine Frau sagte, „Schmeiß ihn in die schwarze Tonne! Da kann er keinen Schaden anrichten!" Denkste! Er konnte doch. Mit dem Tauwetter kroch er weiter und roch enorm. Erst als die schwarze Tonne geleert war, gelangte man ohne Geruchsbelästigung wieder ins Haus. Unsere Küche haben wir bei Winterwetter drei Tage auslüften lassen. Selbst im Backofen hatte sich der Käsegeruch noch versteckt. Ein Glück, dass Winter war, was wäre daraus im Sommer geworden?
Apropos Sommer, in zwei Monaten beginnt die Saison in Warnemünde. Die Touristiker und Händler wollen in die Offensive gehen und Touristen anlocken. Warnemünde soll von Themenwochen überschwemmt werden. Märkte im Sinne des deutschen Budenzaubers dürfen entstehen. Na ja, wenn mal richtig was „los" ist, ist das schon was Schönes. Doch nur Verkaufsstände und Bockwurstbuden entlang des schönen alten Stromes und auf der Promenade zu etablieren, finde ich kulturell nicht so sehr gut. Das nennt sich dann wahrscheinlich lukrative „Attraktivitätsoffensive". Die Kreuzfahrtpassagiere sollen etwas zu sehen bekommen und kaufen. Ich weiß ja nicht recht. Ich kenne viele Kreuzlinerhäfen, da gab es auch einige Souvenirstände. Im marokkanischen Tanger war die Souveniermeile mal gerade 250 m lang. Aber da gibt es auch keine zusätzlichen Bade- und Feriengäste.
Das meinte heute an einem verregneten kalten Tag mit Blick auf BIO allgemein, und den BIOsommer, Ihr Warnemünder Gerhard Martens
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